Generative KI im Designprozess
Generative KI im Designprozess
– nützlich und tückisch zugleich –
Sie nutzen KI? Na klar. Wer tut das inzwischen nicht?
Heutzutage sitzen wir nicht mehr allein vor dem weißen Blatt Papier und fragen uns, wo wir anfangen sollen.
So schnell, wie generative KI uns Ideen und Lösungen präsentiert, können wir blinzeln – selten mehr.
Oder wann haben Sie zuletzt in wenigen Sekunden einen 20-seitigen Aufsatz zum Thema „Die Philosophie des Kühlschranks um 3 Uhr morgens“ geschrieben?
Doch was ist mit den Ergebnissen? Ist das alles auch richtig und passend oder hatte KI kurz mal Schluckauf?
Und wo und wann ist eigentlich „fertig“?
Sie kennen vermutlich Sätze wie „Wenn Du möchtest, prüfen wir jetzt noch…“
oder
„Als allerletzten Schritt könnten wir noch…“
Wirklich der allerletzte Schritt?
Meistens nicht. Irgendwas ist immer.
Wenn Sie fröhlich den Vorschlägen der großen Sprachmodelle wie z. B. ChatGPT folgen, weil Sie denken „Cool, darauf wäre ich nicht gekommen.“ oder „Mal sehen, was da jetzt wohl kommt.“, dann laufen Sie Gefahr, sich zu verrennen.
Selbst mehrfach erlebt. Frustrierend, wenn Sie merken, dass Sie sich nur noch im Kreis drehen und die letzte Stunde auch hätten schaukeln können.
Woher wissen Sie, wann Sie der KI den Saft abdrehen sollten, um Dinge nicht zu verschlimmbessern?
Hier kommt das Thema Erfahrung ins Spiel. Ich weiß, das möchten Sie vielleicht nicht hören, aber ohne Erfahrung im entsprechenden Bereich wird es schwierig.
Auch weil Ihre KI-Assistenz Ihnen wahrscheinlich unermüdlich sagt, wie toll alles ist, fühlen Sie sich gerne und oft auf dem richtigen Weg.
Ein wichtiger Schritt wird dabei oft unterschätzt: Die Ergebnisse beurteilen müssen Sie, denn nur Sie kennen Ihr Ziel. Wenn Sie sich unsicher sind, geben Sie keine klare Richtung vor und korrigieren die KI nicht deutlich genug.
Manchmal glaubte ich ein Pfeifen zu hören, wenn ich ChatGPT auf einen Fehler hingewiesen habe.
Die Ausreden, die daraufhin kamen, waren bemerkenswert und vergleichbar mit denen von Kindern, die behaupten, sie hätten die Tapete deswegen mit matschiger Erde beschmiert, weil das eine wunderbare Möglichkeit sei, sich kreativ zu entfalten.
Passen Sie auf, dass Sie vermeintlich logischen Argumenten der KI nicht auf den Leim gehen.
Was mir beim Einsatz von generativer KI auch auffällt: Oftmals geht ihr auf der Zielgeraden die Luft aus.
Für den feinen Unterschied, der aus einem durchschnittlichen Ergebnis ein gutes macht, das vorhandenes Potential möglichst ausschöpft, müssen Sie Ihren Grips meist selbst anstrengen. Und übrigens: Behaupten allein hilft nicht.
Um die Ecke denken. Ein überraschendes, positives Erlebnis schaffen, erleben lassen statt zu behaupten – ein Anspruch, dem KI meiner Erfahrung nach selten gerecht wird.
Das ist aber nicht verwunderlich, wenn man sich vor Augen führt, wie generative KI funktioniert:
Ergebnisse generativer KI – wahrscheinlich ist wahrscheinlich
Alle Ergebnisse beruhen jeweils auf der Berechnung der größtmöglichen Wahrscheinlichkeit, ergänzt mit etwas Zufall.
Lesen Sie bitte den letzten Satz noch einmal und fragen Sie sich dabei, ob diese Herangehensweise für die Entwicklung eines einzigartigen Ergebnisses sinnvoll ist.
Genau!
KI ist eine wunderbare Starthilfe, die gezielt eingesetzt werden kann, um Ideen zu entwickeln und Möglichkeiten auszuloten.
Sie kann auch Teilaufgaben übernehmen, die Sie genau definieren und überprüfen.
Aber: Ohne Vorgaben kein Ergebnis. Hier fängt der Spaß bereits an. Was geben Sie ein und warum?
Das Ziel kennen nur Sie.
Denken Sie nach. Was ist Ihr Ziel?
Sie möchten Menschen dazu bringen, Ihr Angebot wahrzunehmen, eine positive Erwartungshaltung aufzubauen und zu kaufen. Richtig? Ihr Ziel ist – das gilt in der Regel für alle unternehmerischen Ziele – aus psychologischer Sicht, eine Verhaltensänderung bei anderen Menschen zu bewirken.
Wie Menschen denken, fühlen und sich verhalten und wie man das vorhersagen und beeinflussen kann, ist das Thema einer ganzen Wissenschaft – der Psychologie. Selbst der Mensch hat Schwierigkeiten, sich selbst zu verstehen.
Welche Gedanken und Gefühle durch bestimmte außere Reize ausgelöst werden, hat bereits Edward Bradford Titchener (1867-1927) versucht mithilfe der Introspektion herauszufinden, bei der Menschen diese mentalen Vorgänge möglichst genau beschreiben sollten.
Fragen Sie mal einen Deutschen und einen Amerikaner nach ihren Gedanken und Gefühlen beim Anblick einer Waffe und Sie haben eine Vorstellung davon, wie komplex dieses Thema ist.
Es ist nicht nur so, dass jeder Mensch andere Voraussetzungen und Erfahrungen mitbringt, es fällt Menschen auch schwer, mit Worten zu beschreiben, was sie empfinden. Das liegt daran, dass wir keinen bewussten Zugang zu den komplexen Vorgängen der Wahrnehmung haben, die nicht nur die Aufnahme von Reizen, sondern auch die Interpretation einschließt.
Und jetzt erklären Sie einer KI, wie Gedanken und Gefühle sich anfühlen.
Ihre Antwort könnte lauten „Ich verstehe, was Du sagst, aber nicht, was Du meinst.“
Noch was: KI biegt manchmal ungünstig ab. Das müssen Sie wissen und auch erkennen. Sonst machen Sie eine ausgedehnte Spazierfahrt, die immer wieder neue Zwischenziele ansteuert und nicht endet.
Anders als die Navi im Auto weiß generative KI oft nicht, wann Sie im Zielbereich angekommen sind und aussteigen sollten. Und dass Sie umdrehen sollten, weil Sie zu weit gefahren sind.
Und… Sie selbst wissen, dass die letzte Strecke bis zum Gipfel in aller Regel zu Fuß zu erklimmen ist.
Ja, das ist anstrengend – aber die Aussicht lohnt sich.
Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie Orientierung benötigen, kären wir in einem ersten Gespräch, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte.
PS:
Was denken Sie, wer diesen Text geschrieben hat? Ganz? Zum Teil?
Richtig, diesen Text habe ich selbst geschrieben – nur für das Thema Ihres Aufsatzes habe ich KI um Mithilfe gebeten. Ich war neugierig, was da wohl an Vorschlägen kommt.
Übrigens, falls Sie das Thema interessiert… hier finden Sie den Aufsatz: Die Philosophie des Kühlschranks um 3 Uhr morgens – allerdings gekürzt auf eine Seite. Ihre Zeit ist ja kostbar.
In diesem Sinne:
Lassen wir uns durch KI nicht beirren und vertrauen darauf, dass wir Vieles selbst können – und weiterhin können sollten, um verantwortungsvoll und werteorientiert zielführend zu entscheiden und zu handeln.
Aber ein bisschen Spaß tut gut und macht das Leben oft leichter.